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Heilpflanzen wachsen auch in Winterthur

Autorenbild: Corinne päper
Corinne päper
15. Aug.
2 Min. Lesezeit

Mit Kräutern, die auch in der Stadt wachsen, kann man vieles selbst machen. Etwa Tinkturen oder Tees. Virgine Mégel und Bettina Nacar haben sich tiefgründiges Wissen über die Naturheilkunde angesammelt. Für Die Winterthurer Zeitung begleitete ich sie auf einem ihrer Spaziergänge. Der Artikel erschien am 13. August 2026.



Ein Spaziergang durch Winterthur zeigt, wie viel Natur zwischen Parkanlagen, Strassen und Bürogebäuden wächst. Wer mit Bettina Nacar und Virginie Mégel unterwegs ist, lernt Pflanzen kennen und die Stadt mit anderen Augen zu sehen.


Dunkle Wolken brauen sich über dem Vögelipark zusammen, doch noch regnet es nicht. Bettina Nacar  und Virginie Mégel bleiben zwischen Teich und Voliere stehen. Bettina zeigt auf eine unscheinbare blühende Pflanze - den Giersch (Aegopodium podagraria) «Viele laufen täglich daran vorbei, ohne ihn wahrzunehmen», sagt sie. Dabei ist die Pflanze mehr als das gefürchtete “Unkraut” der Gärtner. Sie entsäuert den Körper und hilft, Harnsäure auszuscheiden. “Deshalb wird Giersch in der Volksheilkunde auch bei Gicht und Rheuma verwendet”, sagt Nacar. Nicht nur das: Das stark nach Peterli riechende Kraut kann wie Spinat zubereitet, in den Kräuterquark gegeben oder zu Pesto verarbeitet werden. Es liefert Vitamin A und C sowie Eisen, Kalium, Kupfer, Zink und Mangan -  ein Vielfaches dessen, was in einem gezüchteten Kopfsalat steckt. 


Es sind solche Aha-Momente, die Nacar und Mégel auf ihren Wildkräuterspaziergängen vermitteln wollen. Seit 2024 führen die beiden Naturinteressierte durch Winterthur und zeigen, was direkt vor der Haustür wächst. Die heutige Route beginnt im Vögelipark, führt durch den Flora-Futura-Park bei der Axa, über die Falken-, Bahn-  und Oststrasse  über die Haifischpassage zurück zum Ausgangspunkt. 


Entlang der Strecke begegnen den Teilnehmenden zahlreiche naturnahe Grünflächen mit der für die Biodiversität wichtigen Wildpflanzen. Neben Spitzwegerich etwa Beinwell (Symphythum officinale), roter Fingerhut (Digitalis purpurea), Labkraut (Galium verum)  oder Königskerze (Verbascum densiflorum). Immer wieder kommen Pflanzen zur Sprache, die viele aus dem eigenen Garten kennen - beispielsweise das echte Salomonssiegel (Polygonatum odoratum). Oft sind es unscheinbare Gewächse, die überraschen. So riechen die Wurzeln der Nelkenwurz (Geum urbanum) nach Nelken, während die geschlossenen Blütenstände des Spitzwegerichs (Plantago lanceolota) mit ihrem Duft an Champignons erinnern.


Doch warum ausgerechnet hier entlang? «Wir wollen zeigen, dass man auch in einer urbanen Umgebung auf kleinem Raum erstaunlich viele Wildpflanzen entdecken kann», erzählt Mégel. Auf die Idee brachte sie ein Besuch im Vögelipark mit ihrem Sohn, wo sie im Frühjahr Bärlauch und Scharbockskraut fand. Sie kam mit Nacar zurück und stellte fest, wie vielfältig die Vegetation dort und am angrenzenden Flora Futura-Garten der AXA ist. 

Für Anfänger haben Bettina und Virginie einen einfachen Rat: klein anfangen. Wer einige wenige Arten  wie Spitzwegerich, Brennnessel, Gänseblümchen oder Giersch sicher erkennt, könne diese problemlos in alltägliche Gerichte integrieren – etwa in Suppen, Salate oder Brotbeläge. Gesammelt werden sollte nur, was man zweifelsfrei erkenne, an sauberen Orten und zur richtigen Jahreszeit. «Es hilft auch, sich zu fragen, wie viel man tatsächlich braucht», sagt Virginie. «Man muss nicht alles mitnehmen, nur weil es an einem Ort wächst und so ganze Pflanzenbestände zerstören.»

 
 
 

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