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Vinyl-Comeback: Wie ein Winterthurer Plattenladen den Aufschwung erlebt

  • Autorenbild: Corinne päper
    Corinne päper
  • 27. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Als Vasco Saxer 2010 seinen Laden eröffnet, steht Vinyl wirtschaftlich am Abgrund. Heute erlebt die Schallplatte ein Comeback – mit steigenden Umsätzen, neuer Kundschaft und wachsender Begeisterung über Generationen hinweg. Dieser Beitrag erschien auf der Online-Plattform WNTI.ch am 27.7.2026



Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, als Vasco Saxer im Jahr 2010 seinen Plattenladen Ventilator Records auf dem Lagerplatz im Sulzerareal eröffnet. Die Musikbranche liegt am Boden und erzielt mit Vinyl-Platten gerade noch einen Umsatz von 700‘000 Franken in der Schweiz. Ein drastischer Einbruch gegenüber den 117 Millionen Franken im Jahr 1980. Mit den sinkenden Verkaufszahlen verschwinden die Läden. So auch in Winterthur: 2004 schliesst mit der «Musicbox» das letzte CD- und Plattengeschäft. Es ist ein Bruch mit früheren Zeiten. «In den 1970er Jahren gab es an allen Ecken einen Plattenladen», sagt Saxer. «Sogar die Migros führte eine kleine Plattenabteilung. Vinyl war allgegenwärtig.» 2005 ist mit 400 000 Franken Umsatz der Tiefpunkt erreicht. Ein Trost bleibt jedoch: Seit 2006 steigen die Umsatzzahlen wieder. Und 2024 wurden Vinylplatten im Wert von 4,3 Millionen Franken verkauft, so viele wie zuletzt im Jahr 1992.


Vasco Saxer wagte sich mit seinem Plattenladen ins Ungewisse


Die kränkelnde Vinyl-Branche verdirbt Saxer in den ersten Jahren fast das Geschäft. Er kommt kaum über die Runden und hält sich mit DJ-Einsätzen über Wasser.  Den Aufschwung der Plattenindustrie spürt er aber bald. Mittlerweile kann der 57-Jährige von seinem Laden gut leben. Seine Kundschaft hat sich verändert. «Anfänglich frönten nur noch einige Unverbesserliche dem Vinyl − hauptsächlich Männer zwischen 30 und 60 Jahren». Heute finden Jüngere und auch Frauen den Weg in seinen Laden. Darunter «viele Neugierige, die zufälligerweise auf dem Lagerplatz sind und staunen, dass es das Medium noch gibt.» Dennoch färbt der Vinyl-Boom nicht auf die Ladenlandschaft ab: Der «Ventilator» ist weiterhin das einzige Plattengeschäft in Winterthur, nachdem ein Konkurrenzladen an der Neustadtgasse 2022 nach nur einem Jahr wieder schloss.

Was mit einer Kiste voller Schallplatten begann, ist mittlerweile auf ein Sortiment von 25‘000 Titeln angewachsen ‒ vor allem Pop und Rock. Besonders gut laufen «Oldies»: Platten von Nirvana, Pink Floyd oder Michael Jackson. «Solche Titel verkaufe ich fast täglich», sagt Saxer. Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, sind auch Top-Charts-Künstler wie Taylor Swift im Laden vertreten. Nostalgische finden im oberen Stock zudem zahlreiche Occasionen in Dutzenden von Kisten, die zum Wühlen einladen.

Raritäten sind auf den ersten Blick jedoch nur schwer erkennbar. Das weiss auch Saxer. «Eine der teuersten Platten in meinem Laden stammte von einer eher unbekannten Schweizer Band. Sie war extrem selten, weil sie unter einem privaten Label herausgegeben wurde und es nur eine kleine Auflage gab. Sammler sind aber bereit, dafür sehr viel zu bezahlen.» Hinzu kommen Fans, die Platten wegen des Covers einer bestimmten Fotograf:in oder klangliche Meisterstücke kaufen ‒ kleine Auflagen aus Originalaufnahmen, die um die hundert Franken kosten.

«Platten amerikanischer Künstlerinnen und Künstler werden in Osteuropa produziert, in die USA geflogen und von dort wieder nach Europa exportiert»Vasco Saxer, Besitzer Ventilator Records

Verbogene Schallplatten geradebiegen

Saxer wird häufig gefragt, wie man eine Platte reinigt oder ob sich verbogene Platten retten lassen. (Ja, das geht ‒ mit einem Plattenbügler). Letzteres passiere, wenn die Platte in der Sonne gelagert wurde, kann aber auch auf Produktionsfehler zurückgehen. «Etwa, weil die Platte zu wenig lang gekühlt wurde.» Notwendig seien zwei Tage, häufig müsse es heute aber «husch, husch» gehen. «Da wird oft am falschen Ort gespart». 

Mit dem Niedergang der Vinyl-Industrie schlossen auch die Plattenwerke in der Schweiz ‒ das letzte im Jahr 2004. Damit ging viel Wissen verloren. «Wer heute eine Platte machen will, muss ins Ausland ausweichen», sagt Saxer. Die meisten würden in Tschechien, den Niederlanden und ein kleiner Teil auch in Deutschland gepresst. Das führe bisweilen zu absurden Situationen: «Platten amerikanischer Künstlerinnen und Künstler werden in Osteuropa produziert, in die USA geflogen und von dort wieder nach Europa exportiert». Bei der Produktion hätten wenig bekannte Künstler:innen zudem das Nachsehen: Die Presswerke sind von grossen Labels wie Universal Music Group, Sony Music Entertainment oder Warner Music Group lange im Voraus gebucht. «Unbekannte Künstler oder kleine Labels warten auf eine Lücke und müssen ihre Erscheinungstermine deshalb häufig verschieben». 











 
 
 

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