Kleine Lädeli in Winterthur suchen Nachfolge
- Corinne päper

- 2. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Viele Geschäftsinhaber kommen ins Rentenalter und nicht immer gibts eine Nachfolge.
Doch es geht auch anders. Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2026 in der Winterthurer Zeitung.

Eliane Brown (links) übergibt ihr Geschäft an Milena Brotherwood (Bild: Corinne Päper)
Text: Corinne Päper
Erst kürzlich schlossen alteingesessene Läden wie das «Traité» an der Stadthausgasse oder das «Geissberger’s Culinarium» in Oberwinterthur, weil deren Inhaber in den Ruhestand traten. Das Problem wird nicht kleiner, sagt Gregor Knoblauch, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Winterthur: «Aktuell stehen in der Schweiz über 90’000 kleinere und mittlere Unternehmen vor einer Firmenübergabe. Das sind fast 15 Prozent aller KMU. Darunter sind viele Ladenbesitzer.» Finden diese keine Nachfolge, verschwindet das Geschäft schnell aus der Ladenlandschaft. Das sei häufig unnötig, sagt Carla Kaufmann, Inhaberin von companymarket.ch, einer digitalen Marktplatz-Plattform zur Abwicklung von Firmenverkäufen. «Viele Geschäfte geben nicht auf, weil ihnen die Kundschaft fehlt, sondern weil sie keine Nachfolge finden. So verschwinden Betriebe, die durchaus weitergeführt werden könnten.»
Dass es anders gehen könnte, bestätigt auch Knoblauch. Für ihn scheitert die
Geschäftsübergabe eher an der mangelnden Planung und den unrealistischen Erwartungen vieler Firmeninhaber als am fehlenden Interesse möglicher Käufer. Sich frühzeitig mit seiner Nachfolge zu befassen, lohne sich, um sich mehr Spielraum zu verschaffen. «Beispielsweise, um die nächste Generation schrittweise im Geschäft einzuarbeiten, den Betrieb an die Mitarbeitenden zu verkaufen oder es in einem Partnerschaftsmodell weiterzuführen», ergänzt Jakob Bächtold, Geschäftsführer von House of Winterthur.
Eine, die sich frühzeitig mit ihrer Nachfolge beschäftigte, ist Eliane Brown, die den Tearoom
Teekult an der Steinberggasse während 19 Jahren bis Ende Juni 2026 leitete. «Vor drei
Jahren befasste ich mich erstmals mit der Geschäftsübergabe. Mein Mietvertrag wäre 2027
ausgelaufen und ich wollte nicht mehr fünf Jahre weitermachen.» Weil ihr das Knowhow
fehlte, habe sie sich einen Treuhänder gesucht, der sie im Nachfolgeprozess unterstützte.
«Er hat die Unternehmensbewertung gemacht, die Gespräche mit Interessenten geleitet und sich mit allen rechtlichen Fragen auseinandergesetzt.» Um potenzielle Nachfolger auf ihr Geschäft aufmerksam zu machen, schaltete Brown verschiedene Inserate. Etwa auf Ron Orp, auf einer Plattform für Unternehmensverkäufe sowie im Newsletter der Jungen Altstadt. Unter den Bewerbungen befand sich auch jene von Milena Brotherwood, die dem Laden und dem dazugehörigen Tea-Room nun neues Leben einhaucht. Das war Brown wichtig: «Ich wollte, dass auch der Laden weiterläuft und
nicht nur der Tea-Room.»
Im Januar 2026 begann die Einarbeitung. Das erwies sich auch als notwendig: «Es gibt
extrem viel Administratives zu bewältigen», sagt Brotherwood. «Ich musste zunächst alle
Prozesse verstehen, etwa, wie eine Bio-Zertifizierung abläuft oder was die Verträge mit
Banken, Onlineshops oder den Terminal-Anbietern beinhalten.» Um sich mit der
Stammkundschaft vertraut zu machen, stand sie in den vergangenen Wochen vermehrt
selbst im Laden. «So lernten mich die Kunden frühzeitig kennen und waren nicht überrascht,als Eliane nicht mehr da war.»
Brotherwoods weitere Pläne für den Betrieb? «Ich werde vermehrt mit Selbständigen
zusammenarbeiten, die Glacé herstellen, backen und die Gäste bedienen. Geplant sind
zudem verschiedene Veranstaltungen. Ausserdem werden wir im Sommer vor dem Lokal
Tische und Stühle aufstellen und auch draussen bedienen.»



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