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Ohne Sand geht nichts

  • Autorenbild: Corinne päper
    Corinne päper
  • 21. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Von Häusern bis zu Biotopen: Die Schweiz verbraucht enorme Sandmengen, doch neue Abbaugebiete werden rar. Wie Behörden, die Forschung und die Sand- und Kiesbranche versuchen, einem stillen Engpass zuvorzukommen. Dieser Artikel erschien in Ausgabe 7/2026 von g'plus, dem Verbandsmagazin von Jardin Suisse


Text: Corinne Päper



Strassen, Einkaufszentren, Wohnhäuser, Staudämme und selbst Flughäfen: Sie alle sind aus Sand gebaut. Als Bestandteil von Asphalt, Beton oder Glas wäre ein modernes städtisches Leben ohne Sand nicht möglich. Rund zwei Drittel des in der Schweiz verwendeten Kieses und Sandes dienen laut der Schweizerischen Geotechnischen Kommission (SGTK) zur Herstellung von Beton.Dieser enthält viel Sand: Je nach Beton besteht ein Kubikmeter aus 79 Prozent Sand und Kies, 7 Prozent Wasser und 14 Prozent

Zement*. 34 Prozent des geförderten Kieses und Sandes werden gemäss SGTK dagegen für andere Zwecke verwendet. Beispielsweise als Füllmaterial bei Bauten, zur Herstellung

von Glas oder Farben, als Reinigungsmittel oder zur Herstellung von Mikrochips. Auch im Garten- und Landbau wird Sand genutzt: Etwa für Sandspiel- und Sportplätze, zur Bodenverbesserung, Fugenabdichtung oder als Gestaltungselement. Ebenso für die Rasenrenovation, die Moosbekämpfung oder für Wildbienennistplätze.


Verbrauch steigt – Übersicht fehlt

Der Sand- und Kiesverbrauch ist in der Schweiz enorm. Laut dem Kies-, Beton und Recyclingverband «Baustoff Kreislauf Zürich» verbaut die Schweiz derzeit jährlich über 25 Millionen Kubikmeter Kies und Sand. Das sind insgesamt 46 Millionen Tonnen, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 5,5 Tonnen entspricht. Der Sandverbrauch in der Schweiz steigt vor allem aufgrund der regen Bautätigkeit und der zunehmenden Versiegelung. Nach Schätzungen des Baumeisterverbandes könnte der Beton- und damit auch der Sandverbrauch von derzeit 43 Millionen Tonnen Beton und 27 Millionen Kubikmetern Sand bis 2050 auf 49 Millionen Tonnen Beton und 30 Millionen Kubikmeter Sand anwachsen. Das, sofern die Bevölkerung gemäss den Szenarien des Bundesamts für Statistik (BFS) weiter ansteigt und der Pro-Kopf-Verbrauch gleich bleibt.


Zahlen, die den Sandverbrauch einzeln ausweisen, gibt es nicht, da Sand und Kies zusammen vorkommen und gefördert werden. Der geschätzte Anteil des Sandes an der Sand-Kies-Mischung beträgt je nach regionaler Lage aber zwischen 25 und 40 Prozent. Auch eine Übersicht über das gesamte Sandvorkommen in der Schweiz existiert nicht. Vor einigen Jahren startete zwar die Pilotstudie «Kies- und Sandvorkommen der Schweiz», die auf nationaler Ebene prüfen sollte, ob das Vorkommen mit den vorhandenen geologischen Daten realistisch eingeschätzt werden kann. Das Projekt endete jedoch ergebnislos. Unter anderem, weil die Kantone die Vorkommen im Untergrund auf ihrem Gebiet je nach System unterschiedlich erfassen. «Alle diese Daten zu beschaffen und zu vereinheitlichen, hätte unseren Studienzeitraum deutlich gesprengt», sagt Stefan Heuberger, der das Projekt leitete.


Um das Gesamtvorkommen von Sand in der Schweiz zu ermitteln, könnten auch Erdbohrungen helfen, sagt Kurt Morgan, Geschäftsführer des Netzwerks mineralische Rohstoffe Schweiz (Neros). «Davon gab es bisher aber nur etwa 40. Das ist viel zu wenig, um zu bestimmen, wie gross das Kiesvorkommen im Untergrund tatsächlich ist.» Sicher ist: Fast 90 Prozent des hierzulande verwendeten Sandes stammen heute aus einem der rund 400 schweizerischen Kieswerke. Gerade 10 Prozent des benötigten Sandes werden dagegen aus dem Ausland beschafft.«Sand wird höchstens im grenznahen Gebiet importiert», sagt Volker Wetzig, Leiter Technik des Verbands «Baustoff Kreislauf Schweiz»: «Transporte über 50 Kilometer lohnen sich nicht.» Das wird verständlich bei Preisen pro Tonne, die je nach Art des Sandes zwischen 34 und über 100 Franken schwanken und Transportkosten, die fast ebenso viel ausmachen wie die Ware selbst.


Die Sandreserven schwinden

Dass wir immer genügend Kies und Sand haben, ist nicht selbstverständlich. Zwar transportieren Flüsse und Bäche weiterhin Gestein und Schutt aus den Alpen ins Mittelland, wo sie abgelagert werden, doch es wird mehr Sand verbraucht, als nachkommt. Neue Kiesgruben im Mittelland zu erschliessen, wird in der Schweiz zudem erheblich schwieriger, weil vermehrt verdichtet gebaut wird. Hinzu kommen Einsprachen, die neue Abbaugebiete verzögern oder verhindern. Bis eine neue Kiesgrube eröffnet ist, vergehen nicht selten zehn bis zwanzig Jahre


Nicht alle Regionen haben zudem gleich grosse Kies- und Sandvorkommen. «Freiburg, Bern, Aargau, Zürich und St. Gallen sind Kantone mit grossen Kiesreserven», sagt der Neros-Geschäftsführer Kurt Morgan. Für alle Ewigkeiten reichen aber auch diese Vorräte nicht. Mit 10,5 Millionen Kubikmetern Kies und Sand verfügt der Kanton Luzern beispielsweise über Reserven für weitere 12 Jahre. «Schweizweit reicht es unter den derzeitigen raumplanerischen Vorgaben noch für 15 Jahre.» Spielraum bestehe vor allem im koordinierten Vorgehen der Kantone. «Es braucht in der Schweiz eine nationale Rohstoffagentur, die den Bedarf ermittelt, das Potenzial fürs Recycling aufzeigt und diese Daten der kantonalen Rohstoffversorgung gegenüberstellt.» Das liefere den Behörden und der Bevölkerung die notwendigen Grundlagen für Entscheide in der Rohstoffplanung. Das Wichtigste ist für Morgan jedoch, «geeignete Kies- und Sandreserven raumplanerisch zu schützen». Das bedeute nicht zuletzt, Interessen abzuwägen. «Das hochgepriesene Individualwohl wird in manchen Fällen wohl dem Allgemeinwohl weichen müssen.»


Kaum Sandrecycling für den Garten

Ein Allheilmittel kennt auch Stefan Heuberger nicht, doch Potenzial ortet er beim Sandrecycling: «Derzeit werden gerade zehn Prozent des Kieses und Sandes aus rezykliertem Baumaterial gewonnen. Dieser Anteil wird noch steigen.» Einen etwas anderen Lösungsansatz für eine drohende Sand- und Kies-Knappheit hat Pascal Peduzzi, Direktor der Globalen Ressourceninformationsdatenbank Genf, einer Einheit des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Er möchte Schlacken aus der Kehrichtverbrennung zum Sandersatz verarbeiten. «Dazu müssen sie aber behandelt und alle Schwermetalle herausgelöst werden.» Das verbleibende Material liesse sich als Sandersatz bei der Betonherstellung nutzen. Für den Garten eigne sich solcher Sand jedoch weniger: «Die gesetzlichen Vorgaben lassen hier wenig Spielraum», erklärt Raffaele Quirici vom Bauunternehmen Toggenburger AG. «Sand aus Bauabfällen wird vorwiegend gebunden genutzt – also für die Betonproduktion.» Für Gärten eigne sich eher nassmechanisch gereinigter Aushub von Baustellen. Auch sonst sind dem SandRecycling im Gartenbau Grenzen gesetzt: Das Volumen ist oft schlicht zu klein, um den Sand kostengünstig reinigen zu lassen und wieder zu verwenden.


*Die Zahlen sind aus: Unterrichtsmaterial Deutschland: Was ist Beton, Bundesverband der deutschen Transportexportindustrie


 
 
 

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